BGH bestätigt OLG Düsseldorf: In Anzeigen und Prospekten ohne Bestellmöglichkeit muss man die Textilfaserzusammensetzungen nicht angegeben – BGH v. 24.03.2016 – I ZR 7/15 – Textilkennzeichnung

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Bildquelle: Urteil des OLG Düsseldorf v. 4.12.2014 – I-2 U 28/14

Wenn ein Textilerzeugnis „auf dem Markt bereitgestellt“ wird, muss die Textilfaserzusammensetzung in Katalogen und Prospekten angegeben werden und zwar „vor dem Kauf“,  Art. 16 I Textilkennzeichnungsverordnung (TextilkennzVO). Hierauf berief sich die Wettbewerbszentrale. Sie störte sich an dem oben auszugsweise dargestellten Werbeprospekt. Darin wurden verschiedene Bekleidungsstücke mit Preisen beworben.

„Bereitstellen auf dem Markt“ heißt: Abgeben, um zu verkaufen

Die Besonderheit des Falles: Gekauft werden konnte die Ware nur in den stationären Filialen. Der Prospekt enthielt weder einen Verweis auf einen Onlineshop, noch konnte man telefonisch bestellen. Die Wettbewerbszentrale klagte. Sie war der Auffassung, schon in diesem Prospekt hätte die Textilfaserzusammensetzung angegeben werden müssen. Das OLG Düsseldorf widersprach: Das „Bereitstellen auf dem Markt“ bedeute nämlich: Abgeben, um zu verkaufen oder zu verbrauchen.

Ohne Bestellmöglichkeit auch keine Information über Textilfaserzusammensetzung nötig

Werden Textilerzeugnisse so angeboten, dass ein Verbraucher sie auch kaufen könne, müssen diese gekennzeichnet sein. Wenn die in dem Prospekt beworbene Ware aber tatsächlich weder online, noch telefonisch, sondern nur vor Ort in den stationären Filialen gekauft werden könne, müsse der Verbraucher auch erst dann über die Faserzusammensetzung informiert werden. Der BGH gab dem OLG Düsseldorf nun mit Urteil vom 24.3.2016 Recht: Wenn es für ein Textilerzeugnis keine Bestellmöglichkeit gebe, würde es auch noch nicht „auf dem Markt bereitgestellt“. In reinen Werbeprospekten ohne Bestellmöglichkeit muss daher über die Textilzusammensetzung (noch) nicht informiert werden.

Anders ist das, wenn es eine Bestellmöglichkeit gibt. In diesem Fall muss zudem eine Widerrufsbelehrung vorhanden sein und das Muster-Widerrufsformular muss mit abgedruckt werden.

Urteil des Bundesgerichtshofs v. 24.03.2016  – I ZR 7/15 – Textilkennzeichnung

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